Was ist Goli otok?

Goli otok ist ein bedeutender Ort politischer Repression. Von 1949 bis 1956 bestand hier ein Lager für politische Häftlinge, die tatsächliche oder vermeintliche Anhänger der Resolution des Informbüros von 1948 waren.

Überreste des Lagerkomplexes auf Goli otok, heute verlassen und dem Verfall preisgegeben.

Das Informbüro und der Konflikt mit Moskau

Das Informationsbüro der kommunistischen Parteien (Informbüro), auch Kominform genannt, war ein 1947 unter starkem Einfluss der Sowjetunion gegründeter internationaler Zusammenschluss kommunistischer Parteien. Nach dem Konflikt zwischen der jugoslawischen Führung unter Josip Broz Tito und der sowjetischen Führung unter Josef Stalin verurteilte das Informbüro 1948 die Kommunistische Partei Jugoslawiens und die jugoslawische Staatsführung.

Die Resolution des Informbüros warf Jugoslawien vor, vom sowjetischen Modell des Kommunismus abzuweichen, eine eigenständige Politik zu verfolgen und sich Stalins Autorität zu widersetzen. Hintergrund des Konflikts waren wachsende Meinungsverschiedenheiten zwischen Tito und Stalin über die Stellung Jugoslawiens im sozialistischen Block.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verfolgte Jugoslawien eine aktive und zunehmend eigenständige Außenpolitik. Tito unterstützte die Idee einer Balkanföderation, eines politischen Bündnisses, das Jugoslawien, Bulgarien und möglicherweise auch Albanien und Teile Griechenlands verbinden sollte. Diese Initiative rief – zusammen mit dem jugoslawischen Einfluss in Albanien und der Unterstützung der Kommunisten im Griechischen Bürgerkrieg – Stalins Unmut hervor.


Die Verfolgung der „Kominformisten“

Der Konflikt betraf nicht nur ideologische Differenzen, sondern auch die Frage der politischen Kontrolle. Tito wollte die jugoslawische Politik eigenständig gestalten, während Stalin Gehorsam und die Ausrichtung an den Interessen der Sowjetunion erwartete. Nach der Resolution des Informbüros wurde in Jugoslawien jede tatsächliche oder vermeintliche Parteinahme für die sowjetische Seite zunehmend als politischer Verrat ausgelegt.

Nach Goli otok konnte man wegen tatsächlicher Unterstützung Stalins und des Informbüros kommen — aber ebenso wegen eines Verdachts, einer Denunziation, eines Witzes, einer Kritik an der Staatsmacht, eines privaten Gesprächs oder der Verbindung zu einem Menschen, der bereits als unzuverlässig galt.

In diesem Klima begann die Verfolgung der sogenannten Kominformisten (kroatisch informbiroovci oder ibeovci), und Goli otok wurde zum zentralen Ort ihrer Bestrafung und politischen „Umerziehung“. Der Begriff des Staatsfeindes bzw. des Kominformisten war weit gefasst und unscharf. Die Grenze zwischen tatsächlicher Gegnerschaft und vermeintlicher Illoyalität wurde dadurch sehr schmal. Viele Häftlinge wurden ohne öffentliches Gerichtsverfahren nach Goli otok gebracht, auf der Grundlage von Entscheidungen der jugoslawischen Geheimpolizei UDBA.

Spuren der Zwangsarbeit auf der Insel — Steinbauten, die von den Häftlingen selbst errichtet wurden.

Das Lager 1949–1956

In der Lagerzeit von 1949 bis 1956 diente Goli otok gemeinsam mit der Insel Sveti Grgur als politisches Lager für tatsächliche und vermeintliche Anhänger der Resolution des Informbüros. Rund 13.000 Menschen durchliefen das Lager; sie waren Zwangsarbeit, politischer „Umerziehung“, Erniedrigung sowie schweren Formen physischer und psychischer Gewalt ausgesetzt.

Rund 13.000 Menschen durchliefen das Lager — sie waren Zwangsarbeit, politischer „Umerziehung“ und schweren Formen von Gewalt ausgesetzt.

1949–1956

Das Lagersystem hatte eigene Besonderheiten, wies in Organisation und Methoden jedoch Ähnlichkeiten mit nationalsozialistischen und sowjetischen Lagerpraktiken auf.

Blick auf die Insel und die Überreste der errichteten Infrastruktur.

Von 1956 bis heute

1956 endete die Zeit von Goli otok als Lager für Kominformisten; die Insel wurde schrittweise zu einer Strafanstalt für Personen, die wegen verschiedener Straftaten verurteilt worden waren. Bis zur Schließung 1988 waren dort jedoch auch einzelne politische Gefangene inhaftiert.

Nach dem Zerfall der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien und der Unabhängigkeit der Republik Kroatien 1991 blieben die Überreste des ehemaligen Lager- und Gefängniskomplexes auf Goli otok und Sveti Grgur ungeschützt und dem Verfall preisgegeben.

Die Bauten aus der Lagerzeit sind keine gewöhnlichen verlassenen Gebäude. Sie entstanden durch die schwere Zwangsarbeit der Häftlinge.

Die Geschichte des Lagers in 16 Kapiteln

  1. 1Historische Umstände Jugoslawiens: der Bruch von 1948 und der Beginn politischer VerfolgungWie der Konflikt zwischen Jugoslawien und der Sowjetunion 1948 den Weg zu politischer Verfolgung und Lagern ebnete.
  2. 2Die Gründung des LagersWarum 1949 gerade Goli otok ausgewählt wurde und wie das Lager vor der Ankunft der ersten Häftlinge vorbereitet wurde.
  3. 3Warum das Regime auf Goli otok weder verfassungsmäßig noch rechtmäßig warVerwaltungsstrafe, Militärgerichte und fehlende Garantien – eine rechtliche Bewertung von Goli otok.
  4. 4Wer die „Ibeovci“ waren und warum Menschen ins Lager kamenVon der Zusammenarbeit mit sowjetischen Diensten bis zum Schweigen in einer Versammlung – was in der Praxis für das Lager genügte.
  5. 5Das Männerlager auf Goli otok (1949–1956)Der größte und am längsten bestehende Lagerteil: Tagesablauf, Zwangsarbeit und Ausbau des Systems.
  6. 6Das Frauenlager für Kominformistinnen (1949–1956)Ramski rit, Zabela, Sveti Grgur und Goli otok – ein Netz von Orten, das etwa 870 Frauen durchliefen.
  7. 7Ein geheimes Lager im LagerArbeitsstätte 101 oder „Peters Loch“ – ein verborgenes Lager für etwa 135 der „heikelsten“ Häftlinge.
  8. 8Umerziehung auf Goli otok: Gewalt als Methode der LoyalitätBoykott, Spießrutenlauf, Tragač und „Revision der Haltung“ – wie das Lager Häftlinge zu einem Instrument der Kontrolle machte.
  9. 9Lagerarchitektur auf Goli otok und Sveti Grgur (1949–1956)Von Holzbaracken zu Steinpavillons: wie durch Zwangsarbeit ein Raum der Überwachung entstand.
  10. 10Mermer und Velebit: Zwangsarbeit, Produktion und GewinnDas Lagerunternehmen, Terrazzofliesen für ganz Jugoslawien und das „unsichtbare Budget“ des Sicherheitsapparats.
  11. 11Sterblichkeit im Kominformisten-Lager (1949–1956)399 Tote laut einem Archivdokument, mit dem Höhepunkt 1951 – Zahlen, Ursachen und der Verbleib der Leichen.
  12. 12Zwei Machtebenen: die UDBA und die Selbstverwaltung der HäftlingeEine sichtbare Verwaltung, eine unsichtbare UDBA und eine „Selbstverwaltung“, in der sich die Häftlinge gegenseitig bestraften.
  13. 13Die Rückkehr der „ehemaligen Menschen“Überwachung, Stigma und Schweigen – warum das Lager für die meisten Heimkehrer mit dem Verlassen der Insel nicht endete.
  14. 14Das Ende des Kominformisten-Lagers und die spätere Nutzung des Geländes (1955–1992)Von der Belgrader Deklaration bis zur Schließung der Strafanstalt 1988 und dem Verfall nach 1992.
  15. 15Goli otok heuteAusflugsziel ohne Gedenkinstitution: warum die Insel verwahrlost ist und warum sie geschützt werden muss.
  16. 16Goli otok in der europäischen „Lagerlandschaft“Was Goli otok mit anderen Lagern des 20. Jahrhunderts teilt – und worin es sich unterschied.

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